Vor Kurzem gab es einen Moment, der sich sehr schwer angefühlt hat. So richtig, richtig schwer. Und ich wusste nicht, wie ich das gut für mich lösen kann.
Ich erzähle dir davon, weil ich weiß, dass viele solche Momente kennen. Momente, in denen ein Gefühl so groß wird, dass wir es am liebsten sofort loswerden wollen. Und weil ich an diesem Tag wieder einmal erlebt habe, wie wenig es eigentlich braucht, um aus diesem Zustand herauszufinden.
Nicht, indem wir das Gefühl weg machen. Sondern indem wir es da sein lassen.
Was ich gemacht habe: etwas scheinbar völlig Banales
Aus meiner Ratlosigkeit heraus habe ich mich hingesetzt und hingespürt. Ich habe die Gefühle beobachtet und die Reaktionen in meinem Körper.
Nicht, um sie wegzumachen. Sondern aus dieser Haltung heraus:
Okay, du bist jetzt da, also spüre ich dich. Ich nehme dich wahr. Und du darfst da sein. Es ist okay, dass du da bist.
Dann habe ich dem Gefühl Raum gegeben. Eine ganze Weile lang.
Da kam einiges hoch. Ein Gefühl nach dem anderen. Und jedem habe ich wieder Raum gegeben. Ich habe es gespürt, ohne es wegzuschieben. Ohne Drama. Ohne darüber nachzudenken, woher es kommt.
Nur: Okay, du bist jetzt auch noch da.
Wenn sich etwas sehr hartnäckig angefühlt hat, habe ich ihm Fragen gestellt und noch mehr Raum gegeben.
Und fast immer ist dann etwas ins Fließen gekommen. Bis sich am Ende ein ganz tiefes Gefühl von Frieden eingestellt hat. Einfach Frieden. Tiefer innerer Frieden.
Und das Gefühl: Es ist okay. Es ist einfach völlig okay, so wie es ist.
Gefühle sind nicht gefährlich. Sie wollen sich bewegen.
Mir ist dabei etwas klar geworden. Normalerweise bewerte ich, was in mir vorgeht. Du bist gut, du bist schlecht. Du darfst bleiben, dich will ich weghaben.
Diesmal habe ich es innerlich ausgehalten, zu spüren: Es ist okay. Ihr dürft alle da sein. Und ich habe sie dann auch wirklich da sein lassen.
Das Erstaunliche: Kein Gefühl ist geblieben, wie es war. Was sich zuerst unerträglich angefühlt hat, hat sich verändert. Es wurde weicher, hat sich verschoben, hat einem anderen Gefühl Platz gemacht. Bis am Ende Frieden da war.
Gefühle sind nichts Festes. Sie sind Bewegung. Sie kommen, sie wollen gespürt werden, und dann dürfen sie weiterziehen. Festhängen tun sie oft genau dann, wenn wir gegen sie ankämpfen. Wenn wir sie wegdrücken, kleinreden oder uns dafür verurteilen, dass sie da sind.
Auch ein großes, schweres Gefühl ist nur ein Gefühl. Es kann sich bedrohlich anfühlen, aber es ist nicht gefährlich. Es ist eine Information. Ein Teil von dir, der gerade gesehen werden möchte.
Was sich verändert, wenn der Kampf aufhört
Es war, als würde ich einen Kampf aufgeben. Den Kampf gegen mich selbst, gegen meine Gefühle, gegen das, was vermeintlich falsch ist.
Mein Nervensystem hat sich beruhigt. Es ist Raum in mir entstanden, Weite, Verbundenheit. Das Leben hat sich wieder gut angefühlt.
Und auf einmal sind wieder Ideen geflossen: Was ich tun könnte. Wo ich hin möchte. Wie ich es umsetzen kann.
Solange ich in diesem inneren Kampf war, war das nicht möglich. Aus diesem Frieden heraus ging es ganz leicht.
Ich habe verstanden: Je mehr Raum in mir ist, desto friedvoller werde ich. Und je friedvoller ich bin, desto klarer bin ich in meiner Wahrnehmung. Und irgendwie wird dann alles leichter.
So kannst du es selbst ausprobieren
So leicht, wie es klingt, so schwer ist es manchmal, sich auf dieses Innehalten und Spüren einzulassen. Weil wir ja irgendwie immer etwas tun wollen. Stattdessen das Unbekannte aushalten. Nur da sein lassen. Und schauen, was passiert.
Es braucht dafür nicht viel. Ein paar Minuten, einen ruhigen Platz und die Erlaubnis, dass alles da sein darf. So kannst du vorgehen:
- Such dir einen ruhigen Platz. Setz dich bequem hin oder leg dich hin. Schließ die Augen, wenn sich das gut anfühlt.
- Spür hin, was gerade da ist. Wo im Körper merkst du das Gefühl? Ist es eng, schwer, warm, kribbelig? Du musst es nicht benennen. Nur wahrnehmen.
- Gib ihm die Erlaubnis. Sag innerlich: Okay, du bist jetzt da. Du darfst da sein.
- Lass es da sein, ohne etwas zu tun. Nicht analysieren, nicht wegatmen, nicht verbessern. Einfach bleiben und spüren.
- Begrüße auch, was danach kommt. Wenn ein anderes Gefühl auftaucht: Okay, du bist jetzt auch noch da.
- Wenn etwas hartnäckig bleibt, frag nach. Dann lausche, ohne eine Antwort zu erzwingen.
- Bleib, bis es ruhiger wird. Oft kommt nach einer Weile ein Gefühl von Weite oder Frieden. Und wenn nicht heute, dann vielleicht beim nächsten Mal.
Wann du dir Unterstützung holen darfst
Dieses Hinspüren ist etwas, das du jederzeit allein ausprobieren kannst. Und manchmal ist es leichter, nicht allein zu sein.
Wenn ein Gefühl dich überrollt, wenn alte, schmerzhafte Erfahrungen hochkommen oder wenn du merkst, dass du nicht mehr gut für dich sorgen kannst, dann darfst du dir Begleitung holen. Das ist kein Scheitern. Es ist ein Akt der Fürsorge für dich selbst.
In meiner Praxis begleite ich Menschen genau dabei: Gefühlen in einem sicheren Rahmen Raum zu geben und zu erleben, wie sie sich wandeln dürfen.
Frieden braucht nicht viel
Ich habe in diesem Moment nichts Besonderes gemacht. Ich habe mich nur hingesetzt und aufgehört, gegen mich zu kämpfen. Und daraus ist etwas entstanden, das mich bis heute trägt.
Deine Gefühle sind nicht dein Feind. Sie dürfen da sein. Alle. Und wenn du ihnen Raum gibst, dürfen sie sich auch verwandeln.
Vielleicht hast du Lust, es einfach mal für dich auszuprobieren. Beim nächsten Mal, wenn es schwer wird.
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